Das ewige Thema Kastration ja oder nein

Diese langjährige Argumentation hat sich inzwischen so stark in den Köpfen der Hundebesitzer festgesetzt, dass man als Therapeut fast nur noch Gehör bei den Tierhaltern findet, die entweder schon einmal ein Tier mit Folgeschäden ein Leben lang begleiten mussten oder die wirklich bereit sind, kritisch zu denken und nicht der eigenen Bequemlich-keit folgen, sondern 2 x jährlich für 3 Wochen auf die läufige Hündin aufpassen bzw. den Rüden erziehen. Wie in einem vorherigen Bericht bereits beschrieben, ist auch das Thema Scheinträchtigkeit und Gebärmutterentzündung nicht das Problem.

Es wird mit allem argumentiert, nur nicht damit, dass Hormone eine extrem wichtige Rolle im Körper spielen und eine Kastration immer nur dann akzeptabel ist, wenn eine tatsächliche gefährliche Erkrankung diese erfordert. Ob ein Tier jemals in seinem Leben überhaupt in einen solchen Krankheitszustand kommt, ist sehr fraglich (siehe Tabelle).

Es gibt jedoch eine Studie, die sogenannte Bielefelder Kastrationsstudie von Frau Dr. Gabriele Niepel, die die Hundehalter kennen sollten. Diese Studie sagt folgendes über die Hauptargumentation – Tumorrisiko/Tumorprophylaxe -:

Die Tumoranfälligkeit für Brustleistentumore bei unkastrierten Hündinnen beträgt allgemein nur 0,2 % bis maximal 1,8 % aller Hündinnen. (Die Abweichung ist rassebedingt.)

Bei Frühkastrierten (Welpen 1/2jährig) beträgt die Quote 0,0093 %. Bei Hündinnen, die nach der 1. Läufigkeit kastriert wurden sind es 0,1488 %.

Weiterhin konnte festgestellt werden, dass, wenn überhaupt, die Brustleistentumore erst um ca. das 10. Lebensjahr vorkommen. Alle anderen Tumorbildungen im Körper werden sowieso nicht im positiven Sinn beeinflusst, sondern durch den gestörten hormonellen Haushalt eher begünstigt.

Angesichts dieser Tatsachen muss nun die Frage erlaubt sein, wenn doch sowieso nur ein so geringes Krebsrisiko für die Bildung von Brustleistenkrebs besteht, warum soll dann dieser medizinische Prophylaxeeingriff überhaupt gerechtfertigt sein. Dem gegenüber ist wohl eher die deutliche Frage erlaubt, was die Folgeschäden nach einer Kastration sowohl bei Hündinnen als auch bei Rüden betrifft.

Was sind nun die möglichen Folgeschäden, die einen erheblichen Teil der kastrierten Tiere betrifft?

In den meisten Fällen treten die Folgeschäden erst nach 6 Monaten bis ca. 3 Jahre nach der Kastration auf. Es wird dann auch schulmedizinisch selten ein Zusammenhang mit der Kastration gesehen.

Geschlechtshormone werden aber im Wachstum und bei der Ausreifung von Körper und der Psyche benötigt. Die soziale Reife erreicht ein Hund erst mit etwa 1,5 Jahren. Die körperliche Ausreifung ist noch später, etwa zwischen dem 2. + 3. Lebensjahr.

Bei Hündinnen sind als Folgeschäden anzugeben:
49 % Fell- und Hautschäden, oft extremster Art
44 % Gewichtszunahme (über Futter nicht steuerbar)/Entgleisung des Stoffwechsels
40 % Dauerhunger
28 % Harnträufeln, Inkontinenz
 4 % Veränderungen in der Skelettentwicklung

Bei Rüden Folgeschäden:
47 % Gewichtszunahme (über Futter nicht steuerbar)/Entgleisung des Stoffwechsels
46 % Dauerhunger
32 % Fellveränderungen und Hautprobleme, oft extremster Art
 9 % Harnträufeln
 3 % Veränderungen in der Skelettentwicklung

Auch psychische Verhaltensänderungen werden durch die Kastration hervorgerufen. Nicht fertig entwickelte Organismen sind nicht nur körperlich unterentwickelt, auch der Geist entwickelt sich nicht richtig. Es kommt häufig zu psychischen Störungen und Verhaltens-änderungen.
Bei Rüden stellt man z. B. oft Trägheit und Teilnahmslosigkeit fest. Hündinnen reagieren stark mit Ängstlichkeiten.
Es ist sicher hilfreich, auch einmal eine andere Argumentation zu hören und sich somit viele Fragen selbst zu beantworten.

Bericht von:

Petra Mumme
Therapeutin für Naturheilverfahren

bei Tieren

Mainz, den 10.06.2008